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Flugbenzin ist längst hoch besteuert!
oder: was kostet Sportfliegen?



Kommentar von Bernhard Schnekenburger
- persönliche Meinung -




Allgemeine Informationen zu Kosten beim Fliegen:

Flugbenzin und Steuer
Vermutlich nicht ganz ohne Absicht verwischen in Aussagen von Politikern und Medien die Unterschiede zwischen steuerfreiem Treibstoff für Turbinentriebwerke ("Kerosin") und normalem, versteuertem "Flugbenzin".
Passagierflugzeuge und andere kommerziell eingesetzte große Flugzeuge mit Düsentriebwerken oder Propellerturbinen, verwenden ausschließlich "Kerosin".
Das ist ein eher billiges Zeug, praktisch ein einfaches Petroleum. Es gibt Camping-Kocher, die man damit befeuert - das, was man bei uns "Petroleum-Kocher" nennt, ist in USA ein "Kerosin"-Kocher. Wenn Sie bei diesen Kochern Kerosin mit Flugbenzin verwechseln würden, gäbe es eine böse Überraschung!.
Nur dieses Kerosin wird nicht versteuert, wie das neue EU-Urteil vom 5.4.2006 bestätigt - wenn es gewerblich genutzt wird (private Diesel-Motor-Flugzeuge müssen auf das Kerosin auch Steuer bezahlen).
Dieses Kerosin wird oft von Medien und Politikern fälschlich als "Flugbenzin" bezeichnet.

Dagegen tanken praktisch alle mit Kolbenmotor angetriebene Sport- und Reiseflugzeuge "Avgas" ("Aviation-Gasoline")- zu deutsch "Flugbenzin". Dieser Sprit ist ähnlich dem Superbenzin für Autos - und wird noch höher versteuert als Auto-Super.

Auf diesem Flugbenzin liegt seit ca. 30 Jahren ein Steueraufschlag, der um ca. 50 Cent höher ist, als der von Autobenzin - entsprechend teurer ist unser Flugbenzin!

Zur Zeit kostet Flugsprit dementsprechend über 2,00 Euro. Die Fluggesellschaften zahlen für Ihr Kerosin für Düsenflugzeuge (Passagierflugzeuge) dagegen nur ca. 50 Cent, weil der Treibstoff billiger ist und keine Steuer anfällt!

Flieger zahlen also für das Flugbenzin nicht keine sondern noch mehr Benzinsteuer als Autofahrer (die ja auch schon zu viel Steuer zahlen, gemessen an dem, was davon für den Straßenverkehr tatsächlich aufgewandt wird).

Warum stellen Politiker immer wieder das "Flugbenzin" als steuerfrei dar und fordern, "endlich Steuern darauf zu erheben", obwohl Flugbenzin schon lange hoch versteuert ist?

Es gibt zwei mögliche Erklärungen, die aber beide gleichermaßen ärgerlich sind:
Entweder: Sie wissen es einfach nicht besser. Das ist übel, denn es wäre ja leicht herauszufinden. Man fragt sich zwangsläufig, von welchen anderen Themen, über welche die Politiker entscheiden, wissen sie genauso wenig??
Wenn ich als Politiker (also als Entscheidungsträger und gut bezahlter Profi!) eine politische Forderung stelle, dann muß ich mich mit den Umständen vertraut machen, bevor ich den Mund vor einem Mikrofon aufmache.
Wenn ich das nicht tue, ist das kein Versehen!
Oder aber: es ist Absicht.
Das hört sich vielleicht sehr heftig an, aber wer mindestens fahrlässig auf Informationen verzichtet und gleichzeitig politische Vorteile davon hat, macht sich natürlich der Absicht verdächtig.
Denn es ist eine sehr billige Methode, Stimmung für sich zu machen (es tut nicht weh, wenn ein paar Wählerstimmen von Fliegern verloren gehen): Man fordere einfach lauthals, endlich mal von den "sowieso reichen" Fliegern Steuern für ihr Flugbenzin zu verlangen!
Klar, oder? die müssen doch eh alle zu viel Geld haben, bei dem Hobby, also ist es ja wohl mehr als gerecht, wenn die auch Steuern bezahlen. Damit unterstreicht man als Politiker seinen Einsatz für die "schwächeren" Schichten und gleich auch noch für den Umweltschutz. Toll: macht den "Reichen ihr Spielzeug" teuer, dann haben wir mehr Geld zu verteilen und retten die Welt. Das ist vor allem wirkungsvoll für Vertreter bestimmter Parteien, kommt aber in allen politischen Lagern vor.
Aber die Wähler sind nicht so blöd - die machen es besser als die Politiker und informieren sich: von Jahr zu Jahr werden die Besucher auf Flugplätzen und Flugtagen mehr. Dort erhalten die Menschen Fakten, dort erklären sie sich solidarisch mit diesem Sport und erkennen, daß die Flieger weder weniger Steuern bezahlen, noch mehr Dreck machen, als andere auch.
Und sie stellen fest, daß Sportflieger auch nicht mehr Geld für Ihren Sport haben und ausgeben, als andere Sportler auch.
Die Menschen fühlen sich solidarisch mit den Sportfliegern, weil sie es auch nicht einsehen würden, wenn auf den Sprit für Motorräder, Wohnmobile, Kabrios, ... mehr Steuern erhoben würde, oder Extrasteuern auf Autofahrten zum Baggersee mit dem Surfbrett auf dem Dach, oder für den Ski-Lift, für die Sporthalle, das Fahrrad, Pferdefutter, Wanderschuhe, Essen im Restaurant, Tennisbälle, Pressluft für Taucher, ... - einfach so, weil Leute die Zeit und Geld für so ein Hobby haben, ruhig auch noch mehr für den Staat abgeben können.
Ihr Politiker, die Ihr hofft mit dem Schüren von Neid Wahlen zu gewinnen: Die Menschen sind viel besser als Ihr glaubt! Da könnt Ihr viel lernen!

Und warum machen viele Redakteure den selben Fehler?
In vielen Medien werden nicht nur Kollisionen von Flugzeugen mit Hindernissen als "Abstürze" auflagefördernd verkauft, sondern fleißig auch die Fehlinformation versteuertes "Flugbenzin" sei gleichbedeutend mit steuerfreiem Kerosin. Warum?
Vielleicht ist hier auch politische Meinungsmache die Ursache.
Aber es ist zu befürchten, daß es schlichtweg kommerzielle Schlamperei ist.
Es geht bei den Medien oft ja viel weniger um echte, saubere Information, als um das gewinnträchtige Verkaufen von Nachrichten. Da sind genaue Recherchen nicht nur zu teuer, sondern manchmal auch ungewollt, weil man wage Informationen besser so darstellen kann, wie es dem Umsatz besonders dienlich ist.
Beispiele für solche irritierenden Artikel habe ich schon in vielen Nachrichten und Zeitungen gesehen, bis hin zu "tagesschau.de" und "focus.de". Diese reagierten auch nicht auf richtigstellende Leserbriefe.
Aber immerhin: anläßlich des EU-Urteils vom 5.4.2006, wonach Kerosin, der Treibstoff für die großen Jets (! nicht Flugbenzin!), weiterhin steuerfrei bleibt, rief mich Herr Lache von der Pforzheimer Zeitung an, um sich den Unterschied erklären zu lassen. In seinem Artikel über die Steuerbefreiung von Kerosin weist er auf den Unterschied dann auch deutlich hin. Das ist ein gutes Signal und wir nennen den Namen seiner verantwortungsbewußten Zeitung gerne!
Ansonsten müssen wir weiter beachten:
Man kann es nicht ändern, aber viel daraus lernen: Egal was wir vorgesetzt bekommen, in der Zeitung, im Internet, im Fernsehen: man muß es mit äußerster Vorsicht aufnehmen! Man muß sich immer vor Augen halten, daß es manchen Journalisten völlig egal ist, ob sie neben das Foto eines Motorflugzeuges mit riesigem Motor und Propeller schreiben, es sei ein Segelflugzeug (das ist wirklich dokumentiert). Oder eben, ob sie unser durch Steuern extra teures Flugbenzin nicht von steuerfreiem Kerosin unterscheiden können.

Muß man zum Fliegen reich sein?
(Angaben ohne Gewähr)

Nein, die privaten Flieger sind von ihrem Einkommen her durchaus vergleichbar mit anderen sportlich aktiven Gruppen der Bevölkerung
Wichtig ist dabei auch zu beachten, daß nur wenige Flieger ein eigenes Flugzeug unterhalten (es gibt in Deutschland nur 7000 "Leichtflugzeuge" (unter 2t Gewicht), wovon ein großer Teil im Besitz von Firmen sind - aber alleine der "Deutsche Aero Club" DAeC (Dachverband der privaten Flieger) hat über 140000 Mitglieder im Bereich "Motorflug". Es haben auch nicht alle Mitglieder in Fliegervereinen einen eigenen Pilotenschein.

Die Kosten allgemein: Eine Flugstunde kostet (komplett mit Benzin und Rücklagen für Motorwartung etc.) ca. 150,- Euro. Ein Flieger sollte bestrebt sein, mindestens eine Stunde pro Monat zu fliegen (Mindestvorschrift: 12 Stunden in zwei Jahren), wobei man sich natürlich darum bemüht, die Kosten unter mehreren Mitfliegern aufzuteilen. Im Durchschnitt fliegen deutsche Piloten (privat) 12 Stunden im Jahr. Wenn von den dabei entstehenden Kosten die Hälfte von Mitfliegern getragen wird, ergibt das monatliche Ausgaben von 75.- Euro.
Im Vergleich dazu: Erinnern Sie sich noch an die Zeche, als Sie das letzte Mal abends aus waren?
Dazu muß man noch Kosten für den Fliegerarzt rechnen (umgerechnet ca. 50,- Euro pro Jahr) und für das Ausstellen der Lizenzverlängerung (umgerechnet ca. 10,- Euro pro Jahr) sowie eventuell Beiträge zu einem Verein - die liegen im Durchschnitt zwischen 5,- und 50,- Euro pro Monat. Also: mit weniger als 100,- Euro pro Monat kommt man schon mal ein Stück weit als Flieger.

Damit liegt Fliegen durchaus im Bereich dessen, was große Teile der Bevölkerung im Jahr ausgeben für Urlaub, für Hobby (Schifahren, Tennis, ...), für Zigaretten, für abendliches Ausgehen, für eine schönere Wohnung / Eigenheim, für ein größeres Auto oder für andere schöne Dinge.
Die meisten Flieger können sich das Fliegen deswegen leisten, weil sie in solchen Bereichen sparen - was sie natürlich nicht als Nachteil ansehen.

Pilotenschein: Die Flugausbildung ist viel aufwendiger als etwa ein Führerschein. Zum Beispiel wird sehr viel sowohl in der Theorie als auch in der Flugpraxis geübt, wie man auf Notlagen reagiert (etwa Motorausfall mit Gleitfluglandung).
Dadurch ist der Einstieg ins Fliegen leider recht teuer: Man muß mit Kosten zwischen 6.000,- und 10.000,- Euro für die Ausbildung rechnen (günstiger ist es in Vereinen, dauert aber deutlich länger), die man innerhalb von zwei Jahren aufbringen muß (maximale Zeitspanne für die Gültigkeit der erforderlichen 40 Flugstunden).
Leider entfällt dieser Betrag nicht nur auf die gute Ausbildung, sondern zu einem beträchtlichen Teil auf staatliche Kosten in Form von Landegebühren (die können alleine 1000.- Euro aus machen) und natürlich Flugbenzinsteuer.
(Die selbe Ausbildung kostet in anderen Ländern daher teilweise nur ein Drittel der deutschen Kosten)
Zusätzlich ist der Zeitaufwand erheblich, es fallen ca. vier Monate mit je drei Abenden pro Woche für Theorieunterricht an. Die Zeit für die Prüfungsvorbereitung ist da noch nicht mit einbezogen. Für die Flugausbildung muß mit 35 bis 50 Flugstunden gerechnet werden.
Aber wie gesagt: nicht jeder muß eine eigene Lizenz haben - auch beim Segeln gibt es viele Aktive, die keinen Segelschein haben, sondern Mitglied einer Besatzung sind.

Eigenes Flugzeug: Wie oben erwähnt, ist es normal bei Fliegern, kein eigenes Flugzeug zu haben, sondern in einem Verein zu fliegen - vergleichbar mit vielen Sportarten, wer hat schon einen eigenen Tennisplatz oder einen eigenen Lift ... So kommen auf weit über 140000 Flieger gerade mal 7000 Flugzeuge in Deutschland.
Neue Flugzeuge kaufen sich nur sehr wenige privat, bei 100.000,- Euro aufwärts ist das oft nur für Firmen oder ab und zu mal für einen Verein interessant. Da Flugzeuge aber viel länger halten als Autos (und viel weniger genutzt werden), ist es gut möglich, Gebrauchtflugzeuge zu kaufen (ab 20.000,- Euro). Der Durchschnitt der kleine Flugzeuge in Deutschland ist daher über 15 Jahre alt. Außerdem ist es üblich, sich zu zweit oder zu dritt ein Flugzeug zu halten. Das verringert die Kosten und stellt kaum Einschränkungen dar, da kaum jemand so viel Zeit zum Fliegen hat, daß er ein Flugzeug alleine auslastet.

Die Kosten im Verein Deutschen Experimental Flug Freiburg e.V.:
(Stand: 10/2006)
Die Vereinspiloten bezahlen dem Verein quasi als Pacht für eine Flugstunde mit der Vereinsmaschine (Morane Rally) 138,- Euro, komplett mit Sprit.
Landegebühr pro Landung: ca. 13,- Euro / 17,- Euro am Wochenende (Freiburg)
Monatsbeitrag für Vereinsmitglieder: 5,- Euro (für aktive Flieger), 2,50 Euro für Mitglieder ohne eigenen Pilotenschein.
Aufnahmegebühr: ein Jahresbeitrag.
Mieten der Vereinsmaschine ist nur für Mitglieder möglich.

Mitfliegen als Gast
Wenn Gästen mitfliegen, können sie mit dem Piloten über ihren Anteil an den Flugkosten reden. Es ist per Gesetzt nicht erlaubt, Fluggäste als reine Gefälligkeit (ohne Kostenbeteiligung) mitzunehmen, auch darf ein privater Pilot oder Verein nichts an den Gästen verdienen.




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