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Wie sicher ist Fliegen in Sportflugzeugen?

Wartung der Flugzeuge:

Unsere Flugzeuge werden sehr sorgfältig gewartet - oft mehr, als es die ohnehin schon weitgehenden Vorschriften verlangen! Für uns ist das ein Teil unseres Sports, den wir - nicht nur, weil wir selbst ja auch wieder sicher landen möchten - mit Freude, Gewissenhaftigkeit und Fachkenntnis betreiben. Natürlich werden die regelmäßigen Inspektionen von staatlich zugelassenen Prüfern abgenommen!

Pilotenerfahrung:

Alle unsere Piloten bringen viel Engagement am Fliegen mit, sie fliegen ja aus Passion und nicht (wie zum Beispiel oft bei Autofahrern), weil sie irgend wo hin müssen. Deshalb ist regelmäßiges Trainieren sowie sorgfältiges Vorbereiten und Fliegen selbstverständlich. Die Berufspiloten und Fluglehrer in unserem Verein helfen auch immer, wenn es um Auffrischen des Könnens geht - "da kennen sie nix". Dabei gilt auch für private Piloten eine Vorschrift, die beim Autofahren noch nicht mal für Berufsfahrer gilt: Wir müssen nicht nur regelmäßig die medizinische Flugtauglichkeit nachweisen, sondern auch in einer Trainingsstunde mit einem Fluglehrer unser fliegerisches Können. Außerdem gibt es Vorschriften über Mindestflugstunden, und in den letzten 90 Tagen vor einem Flug mit Gästen, muß der Flugzeugführer mindestens drei Landungen geflogen haben.
Selbstverständlich haben unsere Flugzeugführer mehr Flugerfahrung, als es diese Vorschriften für Flüge mit Fluggästen vorschreiben.
Und ein ganz wichtiger Punkt für die Sicherheit kommt noch dazu:
Vor allem auch mit Gästen fliegen wir nur, wenn die Umstände sehr gut sind, der Flug also weit entfernt von den Grenzen bleibt, welche Technik und Wetter vorgeben.
Wir wollen ja alle zusammen Freude daran haben.

Warum gilt Fliegen vielen als gefährlich?

- zum einen, weil man vielleicht nicht weiß, warum so ein "Ding" in der Luft bleibt:
Daß ein Auto auf der Straße rollt, und nicht in ein Loch im Boden fällt, kennen wir von Natur aus - die Kräfte der Luft sind uns nicht so vertraut.

- zum anderen aber - und das ist wohl entscheidend - , weil man die Sicherheitsfragen beim Fliegen viel genauer nimmt. Warum fürchten wir uns mehr vor Flugzeugunfällen als vor tödlichen Unfällen im Haushalt, obwohl die viel häufiger sind (ein Viertel aller tödlichen Unfälle)?
Im Straßenverkehr fahren wir mit dem Auto bedenkenlos mit einer Geschwindigkeit, die beim kleinsten Fehler absolut tödlich wäre, mit einem Meter Abstand am Gegenverkehr vorbei, und wissen dabei nicht einmal, wie gut der andere fährt. Aber wenn auf einer Flugshow zwei Weltklassepiloten sich mit 50 m Abstand begegnen, halten wir die Luft an ...

Aus folgenden Gründen kommt uns Fliegen (entgegen der Tatsachen) so gefährlich vor:

Grund 1: Flugunfälle fallen besonders auf:
die Medien berichten über Flugzeugunfälle viel ausführlicher als z.B. über Unfälle im Verkehr oder im Haushalt, was alleine schon beweist, daß Unfälle mit kleinen Flugzeugen eine beachtenswerte Ausnahme sind.
Außerdem nehmen Menschen Flugunfälle (vielleicht weil sie so selten und so dramatisch sind) viel bewußter auf. Fast jeder glaubt sich sich daran erinnern zu können "ziemlich oft!" von Flugunfällen gelesen zu haben. Wann und wie oft war es tatsächlich? vor einem halben Jahr?
Können Sie sich auch an die 100 Tote auf den Straßen jede Woche (!) erinnern?
Im letzten Jahr freuten sich die Verantwortlichen über viel weniger Verkehrstote als jemals zuvor: "nur" tragische 5000 Menschen verloren auf den Straßen ihr Leben. Das heißt jetzt nicht, daß man die Sicherheit mit schrecklichen Zahlen von Toten vergleichen oder gar relativieren kann, jeder einzelene ist zuviel!
Aber wir Freunde des Fliegens mit Sportflugzeugen verwahren uns einfach bei 24 Toten im Jahr gegen die Überlegung, Fliegen sei ungewöhnlich gefährlich.

Grund 2: die Ursachen von Flugunfällen verstehen wir nicht:
Da wir die Kräfte, die ein Flugzeug in der Luft halten, nicht kennen, ist es für uns fälschlicher Weise "normal", daß so ein Ding herunterfallen "muß".
Tatsächlich sehen wir aber ja doch, daß diese Maschinen offensichtlich von der Luft getragen werden. Das ist ein physikalisches Gesetz, ähnlich dem, das Schiffe auf dem Wasser schwimmen läßt. Warum sollte die Luft plötzlich aufhören, sich an ihre eigene Physik zu halten?

Grund 3: reißerische Pressemeldungen:
Unser unnötiges Mißtrauen gegenüber den Naturgesetzen wird außerdem leider massiv von den Medien verstärkt, die oft wenig Interesse daran haben, die wirklichen Ursachen von Unfällen zu nennen.
Redakteuren von Massenmedien muß es um´s Geschäft gehen, also müssen Meldungen dramatisch sein. Die Meldung "schon wieder Flugzeug abgestürzt!" läßt sich viel besser verkaufen als die (korrekte) Meldung: "Verantwortungsloser Pilot ist trotz offensichtlich sehr schlechten Wetters gestartet und hat nach verbotenem Einflug in Wolken die Orientierung verloren und ist gegen einen Berg geprallt".
Da die Medien fast immer bei Flugunfällen davon berichten, ein Flugzeug sei "abgestürzt", entsteht der falschen Eindruck, Flugzeuge würden einfach vom Himmel fallen. Das nährt die unnötige Angst vor der Höhe bei den Menschen. In der Luft passiert fast nie etwas!
Tatsächlich ist es bei den meisten der zum Glück ohnehin seltenen Flugunfällen so, daß das Flugzeug voll flugtauglich durch einen Fehler des Piloten gegen ein Hindernis gesteuert wurde - es war also nicht "heruntergefallen" (was kleine Flugzeuge auf Grund der großen Flügel im Vergleich zum Gewicht genau so wenig können, wie ein Schiff einfach auf den Meeresboden fallen kann).


Die tatsächliche Sicherheit:

Flieger befolgen Sicherheitsvorschriften, von denen andere nur träumen können:
- Sicherheitsabstände zum Boden und Hindernissen: min. 150m (überlegen Sie dabei mal, wie nahe Sie beim Autofahren oft dem Gegenverkehr, Häusern, Bäumen und Brückenpfeilern kommen). Mindest-Sichtweite: 1,5 km, ...

- Stabilität
Flugzeugflügel - das was das Flugzeug trägt - sind im Verhältnis genauso stabil ausgelegt, wie die Achsen eines Autos. Wann hatten Sie zum letzten Mal von einem Achsbruch gehört?

- Luft - die "Fahrbahn" des Flugzeugs - ist absolut zuverlässig: keine Technik kann Löcher im freien Luftraum verursachen. Können Sie sich vorstellen, woher in der Luft Löcher kommen sollen? - keine Brücke ist so sicher wie die Tragfähigkeit der Luft.
Die Wahrscheinlichkeit, daß ein Flugzeug in ein "Luftloch" fällt, ist so "groß", wie die Möglichkeit, daß ein Boot durch ein Loch im Wasser auf den Meeresboden stürzt. Mit einem Druck zwischen 5 und 10 Tonnen pro Quadratmeter trägt Luft einen Flugzeugflügel.
Woher kommt dann die Vorstellung von "Luftlöchern"? Sie sind irritierende Bezeichnungen für Luftbewegungen, die ein Flugzeug schaukeln lassen wie die Wellen des Meeres ein Schiff schaukeln. Die Wellen und Unruhen in der Luft lassen das Flugzeug schaukeln - aber nicht fallen!
Natürlich können die Wellen auch wirklich mal zu groß werden, im Verhältnis zur Größe des Flugzeugs. Dann machen wir das, was ein Seemann auch macht, wenn die Wellen zu hoch werden: wir bleiben einfach im Hafen.

- Motorausfall: erstens: Anders als riesige Jumbojets und schnelle Düsenjäger können Sportflugzeuge auch ohne Motor fliegen, so wie man es von Segelflugzeugen her kennt. Bei jeder Landung gleitet ein Motorflugzeug ohne Antrieb (Motor ist dann im eher bremsenden Leerlauf). Piloten sind also darin geübt, auch ohne Motor zu landen - notfalls auf einer Wiese.
Dazu kommt, daß Flugzeugmotoren mit doppelter Zündanlage fliegen, vom Zündmagnet über die Kabel bis zur Zündkerze ist alles doppelt und unabhängig von einander vorhanden - und wird vor jedem Start geprüft. Auch die beim Auto störanfälligen Keilriemen, Lichtmaschinen und Zündkabel benötigen sie nicht um zu funktionieren. Muß noch erwähnt werden, daß auch zwei Benzinpumpen eingebaut sind (eine elektrische und eine direkt von der Kurbelwelle angetriebe, die also auch dann arbeitet, wenn der Strom ausfallen sollte)?
Flugmotoren sind auch nur halb so stark belastet wie Automotoren (halbe Drehzahl und halb so viel PS im Verhältnis zur Größe), und halten dadurch natürlich länger. Trotzdem werden sie alle 100 Stunden geprüft und nach einer typabhängigen Laufzeit ausgetauscht.

- Unfallursachen: wenn man all diese Aspekte betrachtet, muß man zugeben, daß man froh sein könnte, in anderen Bereichen so sicher zu sein. So bleibt nur noch die Möglichkeit, einfachste Verhaltensregeln zu mißachten. Und tatsächlich zeigt die Unfallstatistik auch genau solche groben Verstöße als Unfallursachen:
- Sicht- und Kontrollverlust durch Einflug in Wolken (die man schon von weitem hätte sehen können),
- Notlandungen nach Motorausfall wegen Spritmangels (!),
- Unterschreiten der Sicherheitsabstände und Mindesthöhen.
Man muß also schon ganz massiv gegen einfachste Grundregeln verstoßen - und zwar grundsätzlich gegen mehrere auf einmal, da alle Verfahren auf doppelte Sicherheit ausgelegt sind (Beispiel: mit zu wenig Sprit fliegen und dann auch noch zu tief für eine sichere Notlandung).
Wir alle kennen Fälle, in denen Autofahrer bei Schnee und Nebel rasen wie beim schönsten Wetter, in denen Segler trotz Sturmwarnung lossegeln, in denen Schifahrer in Lawinen-gefährdete Hänge einfahren: Solcher Leichtsinn hat mit unserer Sicherheit nichts zu tun, und genau so ist es auch beim Fliegen.
Eine Gewitterwarnung ist nicht schwerer zu hören und zu befolgen, als eine Lawinenwarnung.

Es ist also nicht schwer, sicher zu fliegen -

Genießen Sie Ihren Flug!


Eine kleine Geschichte zur Sicherheit beim Autofahren und Fliegen
finden Sie hier


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